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eBiz auf der Integrate 2019 in London

Veröffentlicht am 23.07.2019 von Alexander Müller

Als ein Unternehmen mit starkem Fokus auf Integrationsprojekten, haben wir es uns in diesem Jahr nicht nehmen lassen, an Microsofts Fachkonferenz „Integrate 2019“ in London teilzunehmen. In der beeindruckenden englischen Metropole erwarteten uns spannende Vorträge von MVPs, der Microsoft Produktgruppe und Industrievertretern – die eine oder andere Neuigkeit wurde auch verkündet!

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Die Integrate ist die führende Fachkonferenz, wenn es um das Thema Integration mit Microsoft Technologien geht. Verschiedene Referenten aus der Microsoft Produktgruppe informieren über technische Neuheiten und die internationale Integration Community präsentiert Tipps und Tricks aus der Praxis. Dieses Jahr fanden zwei dreitägige Konferenzen in London (3.-5. Juni) und Redmond (24.-26. Juni) statt. Die interessantesten Infos aus den Vorträgen haben wir im Folgenden kurz zusammengefasst:

Tag 1

Die Konferenz begann mit der Keynote von John Fancey (Microsoft Integration Platform Product Manager), der darin deutlich machte, dass Integration für Microsoft den Schlüssel für die digitale Transformation und Innovation darstellt. Der eigene Anspruch, nämlich führender Enterprise iPaaS-Anbieter zu sein, wurde auch 2019 wieder durch Gartner bestätigt. Im Rahmen der Keynote präsentierten auch drei Industrievertreter, darunter H&M und Shell, ihre entwickelten Integrationslösungen mit Microsoft Technologie.

Azure Logic Apps: Update

Im Anschluss gewährte uns Kevin Lam (Microsoft Principal Program Manager, Azure Logic Apps) Einblicke in die letzten Neuerungen in Azure Logic Apps. Mit Logic Apps lassen sich diverse Dienste miteinander verbinden und ganze Geschäftsprozesse orchestrieren. Sie laufen komplett in der Cloud. Besonders erfreulich war, dass Logic Apps sehr gut von den Kunden angenommen werden. Mittlerweile gibt es mehr als 500.000 aktive Apps. Folgend sind die wesentlichen Neuigkeiten aufgeführt:

  • Es gibt viele neue Konnektoren (z.B. für Blockchain). Mittlerweile kann Logic Apps über 300 Konnektoren aufweisen.
  • Azure Resource Manager (ARM) Templates von Logic Apps können parametrisiert werden, um somit z. B. einfacher in unterschiedliche Umgebungen deployed werden zu können.
  • Es gibt nun eine Inline Code Action, die es ermöglicht im Rahmen der Ausführung JavaScript Code auszuführen. Die Unterstützung weiterer Sprachen ist geplant.
  • In Hinblick auf eine bessere Testbarkeit von Logic Apps ist es nun möglich statische Werte von Actions zurückgeben zu lassen. Dadurch lassen sich z. B. Antworten externer Systeme simulieren.
  • Bei einer fehlerhaften Ausführung einer Logic App ist es nun möglich die erneute Ausführung dort zu beginnen, wo der Fehler aufgetreten ist (resubmit from action). Bisher konnte nur die gesamte Logic App erneut ausgeführt werden.

Die interessanteste Ankündigung war jedoch die Global Availability (GA) der Integration Services Environment (ISE). Die ISE ist eine isolierte Umgebung im eigenen Azure VNET, in der für die Ausführung von Logic-Apps dedizierte Ressourcen zur Verfügung stehen. Dass somit keine verbrauchsbasierte Abrechnung (pay what you use) angeboten werden kann, liegt auf der Hand. Stattdessen wird für die ISE ein Fixpreismodell angeboten. Die Kosten sind somit im Voraus kalkulierbar und man profitiert von verbesserter Zuverlässigkeit, geringerer Latenz, erhöhtem Durchsatz und Auto-Skalierbarkeit.

Azure API Management: Update

Im Anschluss gab Vlad Vinogradsky (Microsoft Principal Program Manager, Azure API Management) ein Update zu Azure API Management. Neben aktualisierten Policies, dem neuen Support von Managed Identities und dem neuen API Scope für Subscription Keys, war die größte Neuigkeit der self-hosted API-Management Gateway. Verpackt in einem Docker-Container, wird dadurch ein on-premises API Management ermöglicht, dass jedoch weiterhin durch eine API-Management Instanz in der Cloud verwaltet wird.

BizTalk 2020

Ein weiteres Highlight des Tages war sicherlich die Ankündigung des neuen BizTalk Server 2020. Wenn ihr das erste Mal von BizTalk hört, könnt ihr hier nach der Definition schauen: https://docs.microsoft.com/de-de/biztalk/core/introducing-biztalk-server

Folgende Neuerungen kommen mit der neuen Version:

  • Viele verschiedene Adapter für Cloud-Lösungen wie LogicApps, Service Bus und O365
  • Deployment via VSTS
  • TLS 1.2
  • Verschlüsselte SQL CRUD-Operationen mit dem SQL-Server Adapter
  • Application Insights

Wie bei jeder neuen Version werden die gängigen, neuen Plattformen von Microsoft - wie MSSQL 2019 - unterstützt.

Für die Migration auf die neue Version, hat Microsoft ein Migrationstool entwickelt. Ihr findet es hier:

Tag 2

Tag 2 begann mit einem Vortrag von Alex Karcher (Microsoft Program Manager, Azure Functions) mit „5 Tips for production-ready Azure Functions“. Darin wurde hauptsächlich auf Skalierbarkeit, Event Stream Processing, Messaging, Monitoring und CI/CD eingegangen.

Azure API Management: Deep Dive

Anschließend führte uns Miao Jiang (Microsoft Senior Program Manager, Azure API Management) durch eine beeindruckende CI/CD-Demo für API Management. Die Herausforderung ARM-Templates einer API Management Instanz zu erstellen, stellte bisher eine große Schwierigkeit dar. Microsoft begegnet dieser nun mit den Open Source Tools Creator und Extractor. Während Creator die Generierung eines ARM-Templates anhand der Open API Specification einer API ermöglicht, extrahiert Extractor Konfigurationen aus bestehenden API Management Instanzen. Für den gesamten Deployment-Prozess ist es sinnvoll ein Master Template einzusetzen, dass die einzelnen API-Templates referenziert. Somit ist es möglich entweder einzelne APIs oder alle zusammen zu deployen. Für Staging-Szenarien ist es sinnvoll für jede Umgebung eine eigene API Management Instanz zu nutzen. Der gesamte Prozess ist hier vollständig beschrieben.

APIM-DevOps

Quelle: https://github.com/Azure/azure-api-management-devops-resource-kit

Einen weiteren Vortrag zum Thema API Management hielt Mike Budzynski (Microsoft Program Manager II, Azure API Management). Er stellte das neue, verbesserte Developer Portal vor. Dieses erscheint nun mit einem angepassten Technologie-Stack (JavaScript, APIs und Markup) in einem moderneren und flexibleren Gewand. Tatsächlich lässt es sich umfangreich anpassen und erweitern. In letzter Instanz sogar durch Eigenentwicklung, denn das Portal ist Open Source und auf Github verfügbar.

Azure Logic Apps: Deep Dive

Derek Li (Microsoft Program Manager, Azure Logic Apps) zeigte uns in seinem Vortrag verschiedene Tipps und Tricks für Logic Apps, z. B.:

  • Trigger Conditions, wodurch vor Ausführung bestimmte Bedingungen geprüft und somit die Ausführung der Logic App verhindert werden kann (Kostenersparnis!)
  • Sliding Window Trigger für verlässliche, wiederkehrende Ausführungen
  • die Versionierung von Logic Apps mit Hilfe von API Management
  • eine verbesserte VS Code Extension

In einem weiten Vortrag zu Logic Apps (Azure Logic Apps vs. Microsoft Flow, why not both?) zeigte Kent Weare (Microsoft Principal Program Manager, Microsoft Flow) Vor- und Nachteile der beiden Technologien auf. So benötigt man für Microsoft Flow z.B. keine Azure Subscription, dafür bieten Logic Apps aber auch einige Konnektoren für Enterprise-Systeme, wie z. B. SAP. Es kann also sehr interessant sein für einfache, automatisierbare Aufgaben Microsoft Flow zu verwenden, während man für Enterprise Integrationen Logic Apps den Vorzug gewährt. Beide Services können aber auch gerne kombiniert werden!

Azure Integration Services

Einen sehr interessanten Vortrag hielt Matthew Farmer (Microsoft Senior Program Manager, Azure Integration Services) mit dem Titel "Making Azure Integration Services real".

Azure Enterprise Integration

Quelle: https://www.serverless360.com/blog/integrate-2019-day-2

Matthew zeigte uns wie die Integration Services zur Orchestrierung von Geschäftsprozessen benutzt werden können. Dabei erzeugt eine Client-App, die mit Azure Active Directory ihre Authentifizierung regelt, eine HTTP-Anfrage an das API-Management. Hier kann eine erste Validierung stattfinden, bevor der Request an eine Logic App weitergeleitet wird. Diese nimmt den Http-Request entgegen und speichert eine Nachricht im Service Bus. Im Service Bus können verschiedene Produkte lose miteinander gekoppelt werden - also mittels Message-Queue eine asynchrone Kommunikation zwischen ihnen hergestellt werden. Dabei muss der Service Bus nicht genau einen Subscriber oder Publisher haben. Es können z. B. x Personen eine Nachricht hineinlegen (hier: Logic App und Message Based Services im Backend). Das Event Grid abonniert den Service Bus und informiert eine zweite Logic App über die Ankunft einer Nachricht, die diese dann z. B an ein SaaS Service im Backend senden kann. 

Natürlich kannten wir diese Konzepte bereits. Aber es ist interessant zu sehen, wie Kollegen die verschiedenen Integration Services einsetzen und wie oft doch Parallelen zum BizTalk Server hergestellt werden können.

Tag 3

Der dritte Tag war geprägt von Vorträgen unterschiedlicher Microsoft MVPs. Er begann mit zwei BizTalk-Vorträgen, einer davon von Sandro Pereira, der Einblicke in ein komplexes Problemszenario aus einem BizTalk-Kundenprojekt gab und den Lösungsweg präsentierte.

Tom Kerkhove zeigte auf, welche Herausforderungen bei der Entwicklung von multi-tenant PaaS in Azure bedacht werden müssen und gab zu bedenken, dass eine Cloud-Lösung ständig im Wandel ist, da auch die Plattform, auf der sie läuft, sich ständig wandelt. Etwas später hob Nino Crudele in seinem Vortrag die Bedeutung von Governance in der Azure Cloud hervor und zeigte bad und best Practices. Als letztes demonstrierte Wagner Silveira wie mit Azure Functions und den Azure Integration Services eine Processing Pipeline implementiert werden kann und präsentierte anschließend ein architekturelles Redesign einer Cloud-Lösung einer staatlichen Behörde.

Fazit

Es ist schön zu sehen, dass die Integration Community wächst und wächst und auch Microsoft das Thema immer stärker in den Vordergrund rückt. Das sieht man auch an den zahlreichen Vorträgen zu den vier Azure Integration Services: API Management, Logic Apps, Service Bus und Event Grid. Insgesamt kann man den kurzen Trip auf die Insel durchaus als gelungen betrachten. Zwar haben uns besonders die Vorträge der Microsoft Produktgruppe überzeugt, doch aus den übrigen Vorträgen konnten wir einige Kniffe für das eigene Kundenprojekt mitnehmen. Letztendlich blieb auch noch etwas Zeit am Nachmittag, um den ein oder anderen Stadtteil zu erkunden und gemütlich im Pub einzukehren. Wir machen weiter mit: Plan. Design. Integrate.

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